Hoffnung leben – ein Interview mit Angelika Röhm

33 gibt es insgesamt von ihnen – den Hoffnungshäusern. An inzwischen 11 Standorten in 232 Wohnungen verbringen 775 Bewohnende, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihren Alltag miteinander. Geflüchtete oder sozial benachteiligte Menschen leben dort gemeinsam mit „solchen, die mitten im Leben stehen”. Gemeinsam. Aktiv. Verbunden. Und mitten unter ihnen: Angelika Röhm, Hoffnungshaus-Geschäftsführerin, und ihre Familie. Die REFLECT25-Referentin berichtet von ihrer Arbeit, ihren Alltag und ihrer Hoffnung. 

Angelika, als Geschäftsführerin von „Hoffnungshaus“ gehörst du zur Hoffnungsträger Stiftung. Was genau bedeutet „Hoffnung“ für dich?

Hoffnung ist für mich Leben. Sie ist die Kraft, die uns über uns selbst hinauswachsen lässt und an manchen Tagen uns einfach nur am Leben erhält. Für mich persönlich ist die Hoffnung in Gott verankert. Einem Gott, dessen Hoffnung in Jesus auf dieser Erde lebendig wurde. Sie ist der Ausdruck himmlischer Liebe. Wir leben in ihr und durch sie – was für eine Hoffnung fürs Leben!

Welche Bedeutung misst du Hoffnung für unser Leben bei?

Eine ganz grundlegende, eine existenzielle. In meinem Leben durfte ich schon vielen Menschen begegnen, die kaum noch Hoffnung hatten. Die aufgeben wollten. Die sich mehr dem Tod, als dem Leben zugewandt haben. Es ist Hoffnung, die ihr Leben erhalten hat.  Hoffnung auf Veränderung, auf das Wiedersehen mit den Kindern, auf Essen in der Zelle, auf eine Stunde Schlaf, … Hoffnung dient dem Leben! Ich freue mich sehr über alles, was Menschen gestalten, wofür sie sich einsetzen, was ihnen alles möglich ist, weil sie Hoffnung haben. So vieles ist uns anvertraut. 

Wie hat dich persönlich das Zusammenleben in den Hoffnungshäusern geprägt?

Es macht mich reich. Reich an Erfahrung, an Begegnung, an Freude, Dankbarkeit, an Kreativität …  Es lässt so viel in mir wachsen und reifen. Ich genieße es, jeden Tag neu Lernende zu sein. Das Leben meiner Mitmenschen zu entdecken. Immer wieder von neuen Abenteuern überrascht zu werden. Die Einzigartigkeit jedes Menschen in der Vielfalt unserer kulturellen und religiösen Kontexte ist phänomenal. Ja, es hat meine Perspektive, mein Weltbild, mein Gottesbild verändert. Da ist, denke ich, jetzt mehr Gott drin – in einer großen, weiten Welt.

Gibt es ein Erlebnis, das sich besonders in deinen Erinnerungen festgesetzt hat?

In unserer Hoffnungshauszeit begleitete ich eine afghanische Familie zur Geburt ihres Kindes. Die Familie war noch sehr neu in Deutschland. Es gab nur eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit. Das Erleben der Flucht war noch sehr frisch und sehr belastend. Gerne stand ich dem lieb gewonnenen Ehepaar in diesen Stunden zur Seite. Die Geburt war lang und schwer. Die traumatischen Erfahrungen bahnten sich immer wieder gewaltig ihren Weg in die Gegenwart. Wir waren sehr dankbar, als die Geburt geschafft war und ein gesundes Kind in den Armen der erschöpften Mutter lag. Doch plötzlich kam es zu lebensbedrohlichen Komplikationen und in wenigen Sekunden war die Mutter für einen lebenserhaltenden Eingriff im OP und ich saß mit dem frisch geborenen Kind und seinem Vater im Kreißsaal. Wir schauten uns an. Er Muslim, ich Christin. Und dann begannen wir miteinander zu beten in der Gegenwart Gottes.

Eure Vision ist „Damit aus scheinbar Hoffnungslosen Hoffnungsträger werden“. Wo durftest du das schon erleben?

In unzähligen Momenten, auf Wegabschnitten – jeden Tag neu. Da gibt es so viele Menschen, die unfassbar Schweres erlebt haben. Die sich mit „nichts” auf den Weg gemacht haben in eine neue Welt. Gar nicht so einfach, sich da die Hoffnung zu bewahren. Ich denke an einen jungen Mann, der ganz alleine als Minderjähriger in Deutschland ankam. Der inzwischen eine Ausbildung abgeschlossen hat und sich eine solide berufliche Perspektive aufbaut. Oft begegne ich einer Freundin aus Afghanistan, die nach sehr viel Leid und Verlust inzwischen die Kraft hat, auch andere Frauen zu ermutigen. Unserer Ehrenamtlichen aus der Ukraine, die sich täglich einsetzen, für ihr Land, ihre Städte, ihre Vereine, Kirchen und Familien. Da sind aber auch wir. Die wir einziehen, um andere zu unterstützen. Auch wir erleben, wie wir nicht selten „Hoffnungslose” sind und erst in der Begegnung erleben, wie uns die Kraft der Liebe zu echten Hoffnungsträgern macht.

Wie können wir, in unserem Alltag und Umfeld, ebenfalls zu Hoffnungsträgern werden?

Wir können nicht nur, wir sind Hoffnungsträger! Wir alle sind dazu eingeladen. Das ist unsere Berufung als Mensch! Jeder von uns kann und darf Hoffnungsträger sein. Das ist gar nicht so schwer. Ein ermutigendes Zulächeln, ein gutes Wort, ein zuversichtliches Gebet, eine Geste im Alltag … Klar, kann es auch größere und weitere Dimensionen haben. Die Jobentscheidung, das Einstehen in der Öffentlichkeit für einen bestimmten Wert oder eine Sache, die Spende, geschenkte Zeit, etc. Die Welt braucht dich!

„Wir teilen die Sehnsucht nach einem Leib Christi, der Botschafter sein will…” mit diesen Worten startete Flo Stielper (Nationalleiter Campus) die REFLECT Konferenz 25. Unter dem Slogan „Leben mit Leuchtkraft” kamen in der zweiten Auflage der Campus internen Konferenz rund 350 Gäste zusammen. Für ein ganzes Wochenende stand dabei ein Herzensanliegen im Fokus: Herr, sende mich. Von Puschendorf in die Welt der Besuchenden, deren Sinne und Herzen bereichert wurden.

“Danke Campus für Christus Deutschland – Ich wohne in Puschendorf und bin durch Zufall auf die Konferenz aufmerksam geworden und bin nun zutiefst dankbar und im Herzen bewegt” (Helga – Eine Teilnehmerin) 

Ergriffen

Bereits am ersten Abend wurden die Herzen der Gäste bewegt. der neue, mitreißende Vision Poem weckte die Sehnsucht, das Evangelium nicht nur zu kennen, sondern zu leben und teilen. Flo Stielper ist sich sicher: Wir leben in spannenden Zeiten, doch kommt der Hunger (nach einer Gottesbegegnung) zurück in unser Land! Es braucht lediglich einen Leib Christi, der als Botschafter aktiv wird. Tobi Teichen (ICF München) machte anschließend deutlich, dass auch er die Herausforderung kennt, anderen von Jesus zu erzählen: „Ich habe kein Problem damit, vor 20.000 Leuten zu sprechen, am Gartenzaun ist es eine ganz andere Geschichte…”. Dabei könne jeder „auf seine Art” mit Menschen die gute Botschaft teilen. Wir müssen uns nur gegenseitig Mut machen, beim vermeintlichen Scheitern nicht aufzuhören, sondern dranzubleiben. Wenn wir Christen und Christinnen unsere Ängste überwinden und verstehen, dass Christus in uns lebt, würde unsere Hoffnung nach außen strahlen. Er ist davon überzeugt: „Wenn wir als Salz aktiv werden, werden Leute durstig werden” und wenn wir Gehorsam feiern, werden wir Früchte sehen. Zum Ausklang des Abends folgte dann der campuseigene Song, der zur Hymne des Wochenendes wurde: Sende mich. 

Aufgemacht

Am Samstagmorgen wurden verschiedene Sinne berührt: Während sich Freunde der Kulinarik über ein leckeres Mandelgebäck eines lokalen Bäckers erfreuen durften, gab es als Nachtisch einen Freestyle Worship von Central Arts. So facettenreich sind nicht nur die Begabungen des „Leib Christi”, sondern auch das Evangelium. Dies wurde durch weitere Gastsprecher unterstrichen. Für Patrick Knittelfelder (Home Base) stehe der Mut, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen genauso im Fokus wie die Bedeutung von Lebensvisionen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. „Wenn du deine Verletzung nicht verwandeln lässt (durch Gott), dann wirst du sie ausstrahlen.” Angelika Röhm (Hoffnungshäuser) sieht die Gastfreundschaft als Schlüssel. Für viele ihrer Bewohner sei das Hoffnungshaus zum Heimatland/-ort geworden. „Zu Hause sein ist Evangelium”, unterstreicht sie. 

Ausgesprochen

Am Nachmittag ging es verstärkt um die Kommunikation des Evangeliums. Prof. Dr. Klaussen (Evangelische Hochschule Tabor) sieht das Evangelium als etwas, das Gott tut  – und dennoch benötigt es uns Christen. „Wenn wir nicht mit Leidenschaft davon reden, reden wir nicht vom Evangelium”, argumentiert der Theologe. Am Ende sei das Leben als Christ zwar nicht immer einfach, doch helfe Jesus im Leben enorm. In anschließenden Workshops gab es die Möglichkeit, tiefer in Themen rund um Evangelium und Kommunikation einzutauchen. Wer mochte, konnte auch einfach die verschiedenen Campus Stände bewundern, welche die bunte Bandbreite der CAMPUS Ministries und ihrer Arbeit erlebbar machten.

Vorgezeigt

Spätestens am Samstagabend wurde die Motivation der Zuhörenden geweckt, selbst aktiv zu werden und das Evangelium praktisch werden zu lassen. Neben einer Vielzahl musikalischer Acts gab es ein Mosaik aus Geschichten von Menschen, die selbst vom Licht des Evangeliums angezogen wurden oder missionarisch unterwegs sind. Flo Stielper rundete den Abend mit einer Einladung zur Einheit „als unsere erste missionarische Handlung” ab. „Wie bist du Licht in dieser Welt?” war eine Fragestellung, „Wie lebst du das Evangelium?” eine andere. Der CAMPUS Deutschland Chef ist davon überzeugt, dass Aufmerksamkeit der Schlüssel zu den Menschen ist. Es liege an uns, mit offenen Herzen und Augen durchs Leben zu gehen.

Selbstbewusst

Den Abschluss der Konferenz bildeten Andreas „Boppi“ Boppart (Campus für Christus Schweiz) sowie eine Botschafterin aus Simbabwe, die beide authentische Beispiele dafür nannten, wie ein selbst-bewusstes Leben mit Gott aussehen kann. Dabei gehe es „nicht um unsere Konfession, sondern darum, christusähnlicher zu werden”. Im Kern waren sie sich beide einig:Wenn wir die Haltung der Konferenz „Sende mich” leben, können wir ein Leben mit Leuchtkraft führen. 

David M. – Mitarbeiter PRO11 & Projektleiter CAMPUS FSJ

Wir lassen uns neu mit Herz und Kopf vom Evangelium begeistern – in der diesjährigen CAMPUS inside! Das jährliche Inhouse-Magazin ist frisch in den Briefkästen gelandet und bis oben hin voll mit Artikeln, die es in sich haben.

Lass dich von Patrick Knittelfelder zu einem guten Umgang mit Erfolg und Misserfolg inspirieren, lerne von Angelika Röhm, wie wir zu Hoffnungsträgern und -trägerinnen werden können, und erfahre, wie Simon ganz natürlich seinen christlichen Glauben mit seinen muslimischen Freunden lebt und teilt. Diese Geschichten und so viel mehr kannst in unserer diesjährigen Ausgabe lesen.

Dein Briefkasten war leer? Kein Problem! Lies die CAMPUS inside hier digital und abonniere sie am besten direkt für das nächste Jahr. Natürlich alles kostenlos.